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Blog · ADHS

ADHS-Diagnose bei Erwachsenen: Wie der Weg wirklich aussieht.

Eine ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen besteht bei mir aus drei Terminen: einem Anamnesegespräch von 30 Minuten, einem strukturierten Interview von 90 Minuten und einem Auswertungsgespräch, in dem Sie den schriftlichen Befund bekommen.

Dazu kommen Fragebögen und Ihre alten Schulzeugnisse, die Sie vorab einreichen. Vom ersten Termin bis zum fertigen Befund vergehen je nach Terminlage meist drei bis vier Wochen. Was danach kommt, steht auf der Seite ADHS bei Erwachsenen.

Ablauf

Drei Termine, und was in jedem davon passiert.

  1. Vorher: Fragebögen und Zeugnisse

    Vor dem ersten Termin bekommen Sie Fragebögen. Die füllen Sie in Ruhe zu Hause aus. Sie sind kein Test, den man bestehen oder nicht bestehen kann, sondern eine strukturierte Selbstbeschreibung. Dazu bitte ich Sie um Ihre Schulzeugnisse, so weit Sie sie noch finden.

  2. Anamnesegespräch, 30 Minuten

    Es geht um Ihre Geschichte: warum Sie jetzt kommen, seit wann Sie etwas bemerken, was im Alltag nicht funktioniert. Wir sprechen auch darüber, was Sie schon versucht haben und welche Diagnosen bisher im Raum standen.

  3. Strukturiertes Interview, 90 Minuten

    Der zweite Termin ist der lange. Das strukturierte Interview ist der eigentliche diagnostische Kern.

  4. Auswertungsgespräch

    Ich sage Ihnen, was ich gefunden habe und was nicht, und wie ich zu dieser Einschätzung komme. Sie gehen mit einem schriftlichen Befund nach Hause, nicht mit einem Satz an der Tür.

Das Interview

Das lange Interview, und die alten Zeugnisse.

Im strukturierten Interview gehen wir gemeinsam die diagnostischen Kriterien für ADHS im Erwachsenenalter durch, und zwar jedes zweimal: einmal für Ihre Kindheit, einmal für Ihr heutiges Leben.

Zu jedem Kriterium suchen wir konkrete Beispiele: Arbeit oder Studium, Haushalt und Papierkram, Beziehungen, Freizeit, Umgang mit Geld, Selbstwert. Nicht „Können Sie sich schlecht konzentrieren?“, sondern: Wie sieht ein Dienstagnachmittag bei Ihnen aus, an dem eine Steuererklärung fertig werden müsste?

Deshalb dauert dieser Teil 90 Minuten. Ein Fragebogen aus dem Internet kann diese Arbeit nicht leisten, und ein Zwanzig-Minuten-Gespräch auch nicht.

ADHS ist eine Entwicklungsstörung. Sie beginnt nicht mit 34, auch wenn sie oft erst mit 34 auffällt. Für die Diagnose müssen Hinweise auf Symptome bereits in der Kindheit vorhanden gewesen sein, vor dem zwölften Lebensjahr.

Erinnerung allein ist dafür eine unzuverlässige Quelle, gerade bei Menschen, die früh gelernt haben, sich anzupassen. Zeugnisbemerkungen sind häufig der beste erhaltene Beleg: „stört den Unterricht“, „ist oft abgelenkt“, „arbeitet sehr unregelmäßig“.

Solche Sätze sind Hinweise, kein Beweis. Sie werden zusammen mit allem anderen gewichtet, nie für sich genommen. Wenn Sie keine Zeugnisse mehr haben, ist die Diagnostik trotzdem möglich. Sie wird nur etwas aufwendiger.

Differentialdiagnostik

Was zuerst geprüft wird, bevor ADHS im Raum steht.

Konzentrationsprobleme, innere Unruhe und Erschöpfung sind unspezifisch. Sie können auch körperliche Ursachen haben: eine Schilddrüsenfunktionsstörung, Eisenmangel, eine unbehandelte Schlafapnoe, Nebenwirkungen von Medikamenten.

Diese Abklärung gehört in ärztliche Hände, nicht in meine. Ich arbeite dafür mit ärztlichen Kolleginnen und Kollegen zusammen und sage Ihnen konkret, was sinnvollerweise untersucht werden sollte. Spätestens wenn eine Medikation im Raum steht, ist die körperliche Untersuchung ohnehin notwendig. Es ist deshalb sinnvoll, sie nicht ans Ende zu schieben.

Hier muss ich ehrlich sein: ADHS wird sowohl übersehen als auch zu schnell vergeben. Beides passiert häufig, und beides hat Folgen.

Angststörungen, Depressionen, die Folgen belastender Erfahrungen und chronische Schlafstörungen erzeugen Bilder, die einer ADHS sehr ähnlich sehen. Wer über Monate schlecht schläft, kann sich nicht konzentrieren. Wer ständig unter Anspannung steht, wirkt unruhig und vergesslich. Eine Diagnostik, die diese Möglichkeiten nicht ernsthaft prüft, ist keine Diagnostik.

Umgekehrt gilt genauso: Viele Menschen werden jahrelang wegen einer Depression behandelt, während die ADHS darunter unerkannt bleibt. Besonders oft betrifft das Frauen, deren Symptome nach innen gerichtet sind und die früh gelernt haben, das Chaos zu kaschieren.

Und häufig ist es nicht entweder oder. ADHS zusammen mit einer Angststörung oder einer depressiven Episode ist eher die Regel als die Ausnahme. Genau deshalb braucht diese Frage drei Termine.

Der Befund

Am Ende steht ein Dokument, das Ihnen gehört.

Sie bekommen einen schriftlichen Befund. Darin steht, welche Kriterien erfüllt sind und welche nicht, worauf sich diese Einschätzung stützt, welche anderen Erklärungen geprüft und warum sie verworfen oder mitbenannt wurden, und welche nächsten Schritte ich empfehle.

Dieses Dokument gehört Ihnen. Sie können es Ihrer Hausärztin, einer psychiatrischen Praxis, Ihrer Krankenkasse oder einer späteren Behandlerin vorlegen.

Es kann auch sein, dass am Ende keine ADHS-Diagnose steht. Auch das ist ein Ergebnis und kein Scheitern. Es bedeutet nicht, dass Ihre Beschwerden eingebildet sind, sondern dass sie einen anderen Namen und einen anderen Behandlungsweg haben.

Wenn die Diagnose steht, geht es um Behandlung. In der Psychotherapie arbeiten wir an dem, was im Alltag tatsächlich klemmt: Struktur und Zeit, Aufschieben, Emotionsregulation, Überforderung im Beruf, und sehr oft am Selbstwert nach vielen Jahren des Missverstandenwerdens.

Medikamente kann und darf ich nicht verordnen. Die Einleitung und die Überwachung einer Medikation liegen bei ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite. Wenn Sie diesen Weg gehen möchten, stelle ich den Kontakt her, und der Befund geht mit. Beides schließt sich nicht aus, und keines von beidem ist Pflicht.

Kosten

Was die Diagnostik kostet, und wer sie zahlt.

Alle Sätze auf einen Blick
  • ADHS-Diagnostik, drei Termine Anamnese, strukturiertes Interview und Auswertung mit schriftlichem Befund. Die Diagnostik biete ich als Selbstzahlerleistung an, sie wird nicht über die Versicherung abgerechnet. 590 €

Weil die Diagnostik nicht über eine Versicherung läuft, wird keine Diagnose gemeldet, und bei Ihrer Krankenversicherung wird nichts über die Diagnostik vermerkt. Für eine anschließende Psychotherapie kommen private Krankenversicherung, Beihilfe und Selbstzahlung infrage, bei gesetzlicher Versicherung die Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V.

Häufige Fragen

Kurz gefragt, und kurz geantwortet.

Können Sie mir Medikamente verordnen?
Nein. Als Psychologische Psychotherapeutin darf ich keine Medikamente verschreiben. Die Einleitung und Überwachung einer Medikation gehört zu ärztlichen Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich zusammenarbeite. Wenn Sie diesen Weg gehen möchten, stelle ich den Kontakt her und gebe den Befund mit.
Was ist, wenn ich meine Schulzeugnisse nicht mehr finde?
Dann geht es trotzdem. Zeugnisse sind eine sehr hilfreiche Quelle, aber keine Voraussetzung. Schulen und Schulämter geben Zweitschriften oft noch nach Jahrzehnten heraus, ein Anruf lohnt sich. Fehlen sie endgültig, arbeiten wir stärker mit Ihrer Biografie und, wenn möglich, mit der Erinnerung einer Person, die Sie als Kind kannte.
Kann die Diagnostik per Video stattfinden?
Das erste Gespräch führe ich in der Praxis. Die weiteren Termine sind je nach Situation auch per Video möglich; am Preis ändert das nichts. Was in Ihrem Fall sinnvoll ist, entscheiden wir gemeinsam beim ersten Termin.
Wie lange dauert das Ganze?
Vom ersten Termin bis zum fertigen Befund vergehen je nach Terminlage meist drei bis vier Wochen. Fragebögen und Zeugnisse reichen Sie vorab ein, der Rest verteilt sich auf die drei Termine.
Ein Anfang

Drei Zeilen genügen.

Schreiben Sie mir, worum es ungefähr geht. Ich melde mich innerhalb von zwei Werktagen. Wenn ich nicht die Richtige für Sie bin, sage ich das und nenne Ihnen eine bessere Adresse.

Termin anfragen

Bitte keine Diagnosen oder sensiblen Details ins Formular.